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Touching and amazing

Klassik begeistert , Donnerstag, 13. Dezember 2018
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„Weihnachtsoratorium“ mit Weihnachtswunder im Musikverein Wien

Das große Kunst und QualitĂ€t nicht immer in Korrelation zu weltberĂŒhmten Namen steht, beweisen der Chorus sine nomine – ein „Laienchor“ –, das L’Orfeo Barockorchester und eine Riege junger, teils renommierter Gesangssolisten. Unter der Leitung des österreichischen Dirigenten Johannes Hiemetsberger, 47, rocken die begnadeten Musiker die ehrwĂŒrdigen Hallen des Musikvereins Wien.

„Jauchzet, frohlocket, und preiset die Tage“, lautet das Motto der KĂŒnstler, die das Bach’sche Weihnachtsoratorium nach allen Regeln der Kunst zelebrieren. Keine Spur des weihevollen Schwulstes, der Langatmigkeit und des Antiquarischen, das vielen Interpretationen barocker Musik anhaftet. Stattdessen erfrischende Freude beim gemeinsamen Musizieren, beim Feiern der Geburt Jesus Christus und an der Möglichkeit in einem derart prestigetrĂ€chtigen Haus, wie dem berĂŒhmten Musikverein Wien, auftreten zu dĂŒrfen. Wohin man blickt: strahlende Gesichter.

Diese feierliche AtmosphĂ€re transportieren die Protagonisten in ihre Interpretation des sechsteiligen Oratoriums, dessen Kantaten eigentlich einzeln anlĂ€sslich der Feiertage komponiert wurden, und die Bach erst spĂ€ter aufgrund des Ă€hnlichen Stimmungsgehalts zu einem sakralen Gesamtwerk zusammenschloss. Ein glĂŒcklicher Umstand, der einer Unzahl an Besuchern wĂ€hrend einer kurzen Atempause zwischen der ersten und zweiten Kantate noch verspĂ€tet Einlass gewĂ€hrt.

Ohne den Hausfrieden empfindlich zu stören, dĂŒrfen auch sie miterleben, wie das L’Orfeo Barockorchester beherzt durch das Oratorium schwingt, beinahe rockt. Dabei verliert das Ensemble rund um seine Konzertmeisterin Michi Gaigg aber niemals die Andacht, die Grandezza und die WĂŒrde, die dieser Huldigung des Heilands innewohnen, aus den Augen. Egal ob im 12/8 Takt der Sinfonia, der Geigensoli, zu denen sich die Orchester-Solisten erheben, oder bei der feinfĂŒhligen Untermalung der Arien, regelmĂ€ĂŸig ist man den TrĂ€nen nahe, so wunderschön, durchsichtig und farbenreich musiziert das Orchester auf deren historischen Instrumenten.

Erst recht, wenn sich die Stimme der Wienerin Sophie Rennert sanft hinzu schmiegt, wie bei der Alt-Arie „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh“. FĂŒr klassik begeistert ist die junge SĂ€ngerin, die bereits in den letzten beiden Jahren im Bayreuther „Parsifal“ als ZaubermĂ€dchen zu hören war, keine Unbekannte mehr und wird mit Sicherheit ihren Weg gehen.

Ebenso Manuel GĂŒnther, der im Oratoriums– und Konzertbereich bereits erfolgreich tĂ€tig ist. Mit dem Weihnachtsoratorium feiert das junge Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper sein gelungenes Wien-DebĂŒt. Egal ob bei den Secco-Rezitativen des Evangelisten oder bei den Arien, die teilweise mit schwierigen Koloraturen versehen wurden, erweist sich der junge Tenor als ausdrucksstarker ErzĂ€hler und sensibler SĂ€nger.

Viril, dominant und mit einem herrlichen Timbre gesegnet, gesellt sich der mÀchtige Bassbariton Josef Wagner zum erlauchten Kreise der Gesangssolisten.

Lediglich die Vierte im Bunde, Ursula Langmayr, 44, benötigt trotz ihrer regen Erfahrung als OratoriensĂ€ngerin und Auftritten bei den Salzburger Festspielen ein wenig Anlauf. Als Ersatz fĂŒr die erkrankte Cornelia Horak eingesprungen, legt die Sopranistin ihre Unsicherheiten jedoch rasch ab: entzĂŒckend die Echo-Arie „FlĂ¶ĂŸt, mein Heiland“, bei der das Echo irgendwo außerhalb des Saales erklingt, und kristallklar die empfindsamen Kontraste zwischen dem dramatischen Rezitativ „Du FĂ€lscher, suche nur den Herrn zu fĂ€llen“ und der direkt folgenden fröhlichen Arie „Nur ein Wink von seinen HĂ€nden“.

Die reichlich gestalteten ChorĂ€le, die durch eine elegante, polyphone StimmfĂŒhrung gezeichnet sind, erfĂŒllt der hervorragende Chorus sine nomine reichlich mit Leben und WĂŒrde. So ĂŒberrascht es wenig, dass nach dem Verhallen des Schlusschorals ein Ansturm an Ovationen und lautstarker Bravi den Goldenen Saal ĂŒberrollen – völlig zurecht! Der von Johannes Hiemetsberger 1991 gegrĂŒndete „Laienchor“, unter Kennern seit langem als Spitzenensemble bekannt, fĂŒgt sich perfekt der beschwingten Gesamtkonzeption hinzu. Einer Gesamtkonzeption, von derart erhabener Schönheit, dass man trotz Stress, MĂŒdigkeit und latenten AnflĂŒgen einer Winterdepression in eine wohlig-warme AtmosphĂ€re versetzt wird.

Es bedarf keiner gesĂŒĂŸten Kalorienbombe, keiner Schokolade, um den GlĂŒckshormonspiegel wieder zu heben – ein Abstecher in den Musikverein Wien zum L’Orfeo Barockorchester und dem Chorus sine nomine bewirkt Ähnliches, erfĂŒllt wahre Weihnachtswunder.

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